Die KHC Geschichte und unser Wissädaler Lied

Das Bedürfnis, ausgelassen zu feiern, war in den Gründerjahren des Kienholzlcubs (KHC) Wiesental ungleich größer als heute und die Zahl der Anlässe hierfür weitaus geringer. Verständlich deshalb, dass sich unter der Regentschaft des unvergessenen Hermann Sälzler (+) kurz nach dem Kriegsende im Jahre 1948 ein halbes Dutzend aktive Sportler des FV 1912 Wiesental zusammenfanden, um der Faschingszeit ein besonderes Gepräge zu geben. Der Name dieser Interessengemeinschaft war schnell gefunden: Kienholzclub (KHC) Wiesental. Die KHC-Mitglieder hatten es sich von der ersten Stunde an zur Aufgabe gemacht, über die Faschingstage klein gehacktes und, gebündeltes Kienholz meist gegen Naturalien an die Wiesentaler Bevölkerung zu verteilen. Und dieser Brauch hat sich der Kienholzclub bis heute bewahrt.

Erinnerungen an die Nachkriegszeit bringen die Natürlichkeit und die Begeisterung des damaligen Faschingstreibens ins Bewusstsein. In einer Zeit, als die Armut groß und das Bier billig war, zogen an den närrischen Tagen fast die gesamte Bevölkerung, Groß und Klein, Jung und Alt, zumeist als Schlumpeln verkleidet, singend und tanzend durch die Straßen und Kneipen der Bruhraingemeinde. Einer der damaligen Bräuche war es auch, Strohballen und Dreschflegel mitzuschleifen und auf offener Straße Stroh zu dreschen. Eine schmutzige und den Kindern Angst machende Angewohnheit war das Mitführen eines Rußwagens.

Die besondere Stellung des Kienholzclubs in der Wiesentaler Narretei beweist auch, dass das närrische Treiben des KHC schon früh eine positive Ausstrahlung auf andere Gruppen hatte. Bereits im Jahr 1967 benutzte der Kienholzclub einen von Pferdekraft gezogenen Wagen, um an den närrischen Tagen aus Gründen der Bequemlichkeit durch die Straßen zu fahren. Bald wurden Bonbons in großen Mengen mitgeführt und an die Kinder verteilt. Als sich dann noch der Musikverein Harmonie Wiesental und andere Gruppen anschlossen, war dies die Geburtsstunde der heutigen Wiesentaler Fastnachtsumzüge. Der Pfarrgemeinderat unter dem Vorsitz des damaligen Rektors und späteren Ehrenkienholzmannes Hans Weisbarth (+) organisierte später die Umzüge, ehe seit 1984 der Kienholzclub in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Waghäusel für die Durchführung der närrischen Züge verantwortlich zeichnet.

Gesellige Höhepunkte waren beim KHC Wiesental schon immer die Sitzungen am Sonntagmittag im ehemaligen FV-Clubhaus an der Kirrlacher Straße mit Tanz, Gesang und den ersten Büttenreden. 1976 erfolgte der Umzug in das neue Sportzentrum der Zwölfer mit der Sporthalle und der angrenzenden Gaststätte. Doch auch diese Räumlichkeiten waren schon bei der Auftaktveranstaltung zu klein, so dass man am Fastnachtsonntag des Jahres 1977 erstmals eine KHC-Prunksitzung in der gerade fertig gestellten und restlos überfüllten Wagbachhalle austrug. Dieser überwältigende Erfolg wurde für den Kienholzclub Wiesental fortan zur Verpflichtung, alljährlich prunkvolle Faschingssitzungen durchzuführen, wobei in der mittlerweile 36-jährigen Geschichte der „Großen Wiesentaler KHC-Prunksitzungen – 1991 fiel das närrische Treiben wegen des Golfkrieges aus – Hermann Sälzler, Alfons Stork, Klaus Ramsauer, Manfred Schweikert, Manfred Klein, Herbert Mahl und Heiko Maier als Sitzungspräsidenten agierten. Und bei der Prunksitzung 2013 übernahmen erstmals mehrere Moderatoren das Zepter der Prunksitzung. 2014 feiert der KHC sein 66-jähriges Jubiläum.

Und was tut der Kienholzclub Wiesental sonst noch??

Der KHC

  • pflegt die Fastnachtstradition in unserer Heimatgemeinde
  • bekennt sich zur Straßenfastnacht an den närrischen Tagen
  • hackt und bündelt Kienholz für die Bevölkerung
  • veranstaltet am Samstag vor dem Schmutzigen die Große Wiesentaler KHC-Prunksitzung
  • veranstaltet zusammen mit der Stadtverwaltung am Fastnachtsdienstag den Großen Wiesentaler Faschingsumzug
  • besucht und unterstützt die Wiesentaler Kindergärten
  • beteiligt sich am Schmutzigen Donnerstag bei der Besetzung des Rathauses
  • begleitet die Grundschulkinder am Schmutzigen Donnerstag durch Wiesental
  • pflegt freundschaftliche Kontakte zu allen Waghäusler Vereinen
  • ist eine Abteilung des FV 1912 Wiesental
  • ist Mitglied im Bund der Badisch-Pfälzischen Karnevalsvereinigung
  • ist eine Interessengemeinschaft für Männer und Frauen in jeden Alters

Wissädalä Lied von Fritz Gund (1928)

1. Strophe:
Äm Bruhroi do liegt Wissädal, an wunnscheener Ort,
Wer`s net glaabt soll selbst hingehn, sich üwäzeigä dort.
S`liegt uffrer weiter Ebene mit mächtig vielem Sand,
unn`s unnere End` vun unsäm Ort, liegt an des Wagbachs Strand.

Mächtig Sand, Wagbach Strand, nix geht üwer Wissädal.
Alle Ort sind banal,hoch nur Wissädal !

2. Strophe:
Än der Mitt` ä Denkmol steht, uff der Promenad`,
Rings herum Kastanieäbeem, s`isch än wahrer Staat.
Wonn`s Pfaffäloch mol ausgfüllt isch, donn gibt`s än scheener Platz
und die Reitschulorgl druff, uff Kerwä des mecht Spaß.

Denkmol steht – Promenad`, hei, wie schee isch Wissädal.
Reitschulorgl uffäm Platz, uff Kerwä des mecht Spaß !

3. Strophe:
Mir hewä a än Leo-Saal unn ä Rosähall,
ä nickelneii Kinnerschul unn ä Leichähall`.
Ä Hundshütt`unn ä Turnerhaus, die Kreizgass ziert dä Härsch,
do senn a zwu Terassä druff, daß di bloß net schnärrsch !

Leo Saal – Rosähall`, nix geht üwer Wissädal.
Kinnerschul`- neier Härsch, daß die bloß net schnärrsch !

4. Strophe:
Ich heb jetzt bloß ä bissel Engscht, daß du moi Wissädal,
jetzt ball selwer nimmi kensch, des wär jo arg fatal.
Vielleicht stehscht du als alter Knaus verzweifelt uff der Stroß`
und kennsch di wirklich nimmi aus und rufsch: „Wu binn i bloß !“

Mächtig Sand – Wagbachstrand, nix geht üwer Wissädal.
Alle Ort, sind banal, hoch nur Wissädal !

Hinweis:
In der ursprünglichen Fassung des Wissädaler Liedes kommt vor: (3. Strophe) … und die neischte Schlager schpielt, die „Musikbox“ uns vor. Tatsächlich gab es 1928 schon eine Musikbox. Hier ein Auszug aus der Musikbox-Geschichte: Der zweite Schritt zur Musikbox kam von Emil Berliner, der sich 1887 das erste Grammophon patentieren ließ. Auch die Weiterentwicklung der Schallplatte und der Sprechmaschine, wie die Grammophone nach der Jahrhundertwende auch genannt wurden, hat Berliner wesentlich beeinflußt. Bereits 1889 wurde von Louis Glass der erste durch Münzeinwurf betätigte Musikautomat hergestellt. Dieser war mit vier Hörschläuchen (mit jeweils getrenntem Münzeinwurf) ausgestattet und arbeitete mit einer Musikwalze.

1906 wurde dann das erste Exemplar („Automatic Entertainer“) mit einer Platte und einem Grammophon-Trichter von der John Gabel Company hergestellt. Das Gerät hatte 24 Wahlmöglichkeiten! Diese Art der Musikbox wurde erst 1927 von einem Modell mit elektrischem Verstärker abgelöst.